#1stPANBR

Eindrücke vom 1. PAN-Branchentreffen im Odysseum/Köln 2016

Unter dem Motto “Die deutschsprachige Phantastik: Kulturgut – oder doch nur gut?“ trafen sich vergangene Woche Phantasten aus ganz Deutschland im Odysseum/Köln. Fast 100 Teilnehmer – Mitglieder, Förderer und Sponsoren des neugegründeten PAN e.V. (Phantastik-Autoren-Netzwerk e.V.)- diskutierten über gewichtige Themen wie Urheberrecht, Nachwuchsförderung und die Rolle der Phantastik im Feuilleton. Und ich war incognito (ergo: ohne Schiffchen) mit von der Partie.

Anders als in anderen Bereichen der Literatur, in denen es schon lange Autorenvereinigungen gibt, war ein Zusammenschluss der deutschen Phantastik-Autoren laut PAN-Gründerin Diana Menschig längst überfällig. Ich gebe ihr da uneingeschränkt recht. Bei Buchmessen und Conventions geraten Fachgespräche oftmals ins Hintertreffen. Kaum jemand hat dort genügend Zeit, sich intensiver auszutauschen und „Networking“ zu betreiben. Es mangelt an „geschütztem Raum“, einem Raum/eine Zeit ohne Publikum, ohne Verkaufsdrumherum und Termindruck. Wir brauchten PAN! Es war für mich obligatorisch, dem Verein beizutreten und am ersten Branchentreffen in Köln teilzunehmen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich hatte die Möglichkeit, ungestört mit Kollegen zu plaudern und Gespräche mit Vertretern Buch naher Sparten (Agenturen/Verlagen/Zulieferer) Face-a-Face und (trotz meiner großen Kleinheit – oder wegen meiner hohen Schuhe?) auf Augenhöhe zu führen.
Es wäre müßig, hier alle Programmpunkte der zwei Tage aufzulisten. Egal ob Dr. Frank Weinreich (Polyoinos) oder Hans Peter Roentgen (Textkraft) einen Vortrag hielten oder ob Sponsoren wie Audible (Torsten Surberg, Director Program Development) oder Oetinger 34 (Katrin Weller, Programmleiterin) ihre Produkte präsentierten, war jeder dieser Beiträge auf seine Art spannend, inspirierend und bemerkenswert. Besonders die Diskussionsrunden Muss mehr deutsche Phantastik ins Feuilleton? und Schreiben kann doch jeder – Warum sollen wir Nachwuchs fördern? mit Autoren, Verlegern, Journalisten und Literaturexperten waren äußerst interessant. Sie hätten gut und gerne länger dauern können. Die rege Beteiligung vom Publikum zeigte deutlich den Gesprächsbedarf.
Mein ursprünglich gefasster Plan, ein paar Programmpunkte vorsätzlich zu verpassen, um mit Kollegen zu quatschen, literweise (Flatrate!-)Kaffee zu trinken und tonnenweise (Flatrate!-)Kekse zu futtern, ging nicht auf. ((Bei dieser Gelegenheit muss ich ein Geständnis machen: Ich war diejenige, die den Kaffee ausgetrunken und alle OhneGleichen von den Tellern gemopst hat. Solltet ihr leer ausgegangen sein, so tut es mir (nicht) leid!))
Mein persönliches Highlight war die von der ARD-Literaturexpertin Karla Paul moderierte Lesung der Bestseller-Autoren Kai Meyer, Bernhard Hennen und Markus Heitz. Unglaublich, aber die drei standen zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne. Eine Lesung als Höhepunkt? Ja. Und was für einer! Denn neben den Buchvorstellungen führte der Disput der Herren zu einem Schlagabtausch der phantastischen Art, bei dem streng gehütete Geheimnisse und Leidenschaften zu Tage traten, die die gewohnt reizende Karla Paul mit knackigen, süffisanten Einwürfen hervorgekitzelte.
Erstaunlicherweise raste die Zeit auch an diesen beiden Tagen in bekannter Messe/Con-Manier. Aber wie für die klassischen Treffen gilt auch hier: Nach dem PAN-Branchentreffen ist vor dem PAN- Branchentreffen! Nächstes Jahr im Mai ist bereits das Nächste angekündigt.
Mein Fazit: 9 von 10 Punkten! PAN war genau das, was mir zum Autorenglück gefehlt hat. Das Treffen bot eben jenen „geschützten Raum“, den ich im Schreiballtag vermisst habe und den ich allenfalls im Kleinstformat in der Autorenlounge der WerkZeugler auf der LBM gefunden habe. Das Branchentreffen bot dies nun im Großformat. Netzwerken par excellence!
Einen Punkt Abzug gibt es dennoch von mir. Das nächste Mal hätte ich gerne mehr Zeit für Net- und Notworking. Und die Kaffeemaschine müsste auch länger arbeiten. Aber das waren lediglich kleine, unbedeutende Anlaufschwierigkeiten. Ich bin sicher, das wird noch. Und dann werde ich auch 2017 den Kaffeeautomaten leertrinken und die OhneGleichen-Keksteller plündern können. Den Termin für das #2ndPANBT habe ich mir nämlich schon im Kalender notiert, das Hotelzimmer wird demnächst reserviert.
#2ndPANBT, ich komme!

Mitglieder, Gründer und Förderer des PAN e.V.                                      FOTO: Copyright PAN e.V.