Die meisten 8-Jährigen, so meine Vorstellung, lesen nicht gerne und sind unmotiviert, wenn sie schreiben sollen. Dementsprechend gespannt war ich auf die erste Schreibwerkstatt, die vergangene Woche in der zweiten Klasse einer Trierer Grundschule startete. Wenn es gut laufen sollte, dann würde …

… ich die Kinder ein bisschen fürs Schreiben/Lesen begeistern können. Wenn nicht, dann würde ich ihnen hoffentlich mit kleinen Spielchen zeigen können, dass das Jonglieren mit Wörtern Spaß macht.

Eine ganze Woche lang, jeweils morgens von 8 bis 10 Uhr, besuchte ich die Klasse. Am ersten Tag erwarteten mich die Kinder schon sehr ungeduldig und zückten selbstgebastelte Büchlein. Die Schreibstifte wurden gespitzt und kaum, dass die Begrüßungsrunde beendet war, senkten sich die Köpfe und das wilde Schreiben begann. Dieser Feuereifer machte mich sprachlos. Von wegen schreibfaul! Interessanterweise war den Kindern das angedachtes Thema NATUR vollkommen egal, denn fast jedes hatte bereits klare Vorstellungen von dem, was es schreiben wollte: die Geschichte eines mutigen Mädchens und ihrem Eisdrachen, die gefangene Artgenossen aus dem Schloss einer bösen Zauberin retten mussten, oder freche Blätterkobolde, die die Schulleitung übernehmen wollten, oder ein trauriger Bauer, der nicht wusste, woher er Samen für die nächste Aussaat herbekommen sollte, und vieles, vieles mehr. Noch überraschter war ich, als einige Kinder den Klassenkameraden am Ende der Werkstatt ihre Geschichten vorlesen wollten. Sie taten dies vollkommen freiwillig und mit Begeisterung!

Neben dem Schreiben vermittelte ich den Kindern im Laufe der Woche auch ein bisschen Technik, verriet ihnen, wie eine Geschichte an Spannung gewinnt, und dass es auch für Erwachsene manchmal gar nicht so einfach ist, richtig zu schreiben. Wir spannen gemeinsam eine Geschichte und spielten das Grusel-ABC (eine Abwandlung von Stadt-Land-Fluss). Nach jedem Vormittag tippte ich das Geschriebene ab und brachte es in Form. D.h. ich korrigierte zwar die falsch geschriebenen Wörter, veränderte dabei jedoch nicht den Sinn. Es sollte schließlich die Sprache/Geschichte jedes einzelnen, kleinen Autors bleiben. Es war großartig zu sehen, wie ungeduldig die Kinder jeden Morgen auf ihre abgetippte Zeilen warteten und mit welchem Elan sie daran weiterschrieben. „Dürfen wir jetzt gleich wieder weiterschreiben oder müssen wir erst noch das Spiel mitmachen?“ war immer die erste Frage. Am letzten Tag bastelten wir individuelle Buchumschläge mit Cover, Titel und Autor, in denen jedes Kind seine gesammelten Werke aufbewahren konnte.

Die Kinder, die Lehrerin und ich hatten in dieser Schreibwerkstatt sehr viel Spaß. Wir alle waren traurig, dass diese Woche so schnell vorbeigegangen war. Ich hoffe, die angehenden Autoren werden sich noch lange an diese Stunden erinnern. Ich tue es auf jeden Fall. Ich weiß jetzt, dass Kinder Spaß am Schreiben und Lesen, manche sogar Spaß am Präsentieren ihrer selbstgeschriebenen Geschichten haben können. Andererseits ist nicht jedes Kind ad hoc fürs Lesen und Schreiben zu begeistern. Aber es kommt darauf an, was es mit Worten und Texten anstellen darf. Es muss nur verrückt genug sein, dann lockt man selbst den Muffel aus der Reserve.

Das erinnert mich an meine Schulzeit und an meine Hass-Fächer Physik und Chemie. Für mich waren sie vollkommen unnötige Angelegenheiten, und der Unterricht gähnend langweilig. Aber als es darum ging, mit Backpulver, Essig, Flaschen und Korken einen Vulkanausbruch nachzustellen, machten diese drögen Wissenschaften plötzlich eine Menge Spaß.

Also, lassen wir die Kinder doch öfter mal mit Sprache und Wörtern experimentieren und fernab von Noten und Beurteilung kreativ sein. Vielleicht klappt es hinterher dann auch einfacher mit dem regulären Lesen- und Schreibenlernen? (tba.)