Category: HIDDEN

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Go! Go! NaNo? – Gemeinsam schreibt es sich (vielleicht) besser

Sind Schriftsteller einsame Menschen?

Das stimmt nur bedingt und schon gar nicht für jeden Autor zu jeder Zeit. Es gab Zeiten, in denen ich wirklich einsam am PC saß und tippte, lediglich von meiner Schreibmusik und einer Tasse Tee/einem Glas Wein begleitet. Es gab aber auch Nächte, die ich mit einer ganzen Horde von Schreibwütigen verbracht habe. Aber eins nach dem anderen.

Mein Debüt, „Seraphim: Carpe Noctem“, schrieb ich im Geheimen. Niemand, nicht einmal meine Familie, ahnte, was ich abends trieb, wenn die Kinder – und oft genug auch mein Mann- schliefen. Nur nachts hatte ich die benötigte Ruhe, mich auf meine kleine Geschichte einzulassen, mich von meinen Protagonisten mitreißen zu lassen und ungestört zu schreiben. Im trubeligen Alltag mit zwei Kleinkindern war das tagsüber nicht möglich. (mehr …)

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Word, Scrivener oder Papyrus? – Welche Vorteile bietet ein richtiges Schreibprogramm?

#papyrusautor #machdeinding #sandrabaumgaertner #schreiballtag #autorenleben #selpfpublishingAller Anfang ist … Chaos?

Als ich damit anfing, die ersten Kapitel der Seraphim-Vampirsaga zu schreiben, tat ich dies entweder in Notizbücher oder auf losen Zetteln. Das Geschriebene übertrug ich später in Word auf meinem PC. Anfangs war das kein Problem. Ich zwang mich zur Ruhe, wenn Word lahm wurde, suchte mir geduldig einen Wolf nach diversen Kapiteln und gab gelegentlich frustriert auf, wenn das komplette System mal wieder wegen Überlastung zusammenbrach. Manchmal heulte ich auch, wenn dabei die Datei crashte und mein Geschriebenes für immer gelöscht war. Gut möglich, dass all diese Probleme nur deshalb zustande kamen, weil ich ein DAU* war (und es auch gelegentlich noch bin). Jedenfalls merkte ich schon bald, dass man bei einer Dokumentengröße von über 50.000 Wörtern und mit vielen Kapiteln irgendwann an die Grenzen des entspannten Schreibens und Überarbeitens kam.

Wie machen das eigentlich die richtigen Autoren?

Ich fragte zunächst Mama Ecosia und erfuhr, dass es spezielle Schreibprogramme für Autoren gibt. Kostenlose, Teure und sehr Teure. Dann fragte ich bei den mir bekannten Autoren nach. Ein Programm, das man mir sehr oft empfahl, war Papyrus Autor. Das gab es sogar als Demoversion kostenlos zum Ausprobieren. Ich nutzte dieses Angebot und spielte mit dem Programm eine Zeitlang herum. Es dauerte keine Woche, da war mir klar, dass Papyrus mein neuer Begleiter werden würde. Ich kaufte mir die Vollversion und alleine das Icon auf dem Desktop liegen zu haben, erzeugte in mir so etwas wie Stolz und Tatendrang. Das Schreiben machte plötzlich sehr viel mehr Spaß. Das Programm erlaubte dank seiner Kapiteleinteilung eine leichte Suche und mit den sinnvollen Funktionen wie Figuren-/Orts-/Gegenstände-Datenbanken, Klemmbrett und Zeitstrahl eine prima Organisation von Charakteren und Handlungssträngen. To-Do-Listen hingen nun gleich an den entsprechenden Textstellen und ersparten mir so die hunderttausend Post-its, Abreißzettel und beschriebene Klopapierblätter, die gelegentlich auch mal den Bach runtergingen. Hinzu kamen der Duden Korrektor, das Synonyme-Lexikon, die Stilanalyse und die Lesbarkeitseinschätzung. Das alles sind Funktionen, die man nutzen kann, aber nicht muss. Man kann das Programm ganz auf seinen Bedarf einstellen. Und das Beste: Es gibt einen tollen Support und eine gut funktionierende Facebook-Hilfsgruppe, an die sich DAUs wie ich jederzeit wenden, und bei denen man schnell und unkompliziert Hilfe bekommen können. Mittlerweile mag ich ohne Papyrus nicht mehr schreiben. Selbst kleinere Texte wie Rundbriefe an die Familie oder Blogbeiträge erstelle ich damit.

Bist du ein Papyrus Autor?

Natürlich gibt es auch noch unzählige andere, professionelle Schreibprogramme. Neben Papyrus gibt es zum Beispiel Ulysses, Patchwork, Scrivener und noch einige andere. Welches das Richtige für dich ist, kann dir niemand sagen. Probiere sie einfach aus. Bei den meisten Anbietern gibt es Probeversionen zum Testen. Es kann auch hilfreich sein, bei den Autoren direkt nachzufragen, welches Programm sie verwenden und warum. Das bringt dir A wertvolle Insider-Infos und baut dir B dein Netzwerk auf.

Du musst dich mit deinem Werkzeug wohlfühlen! Je mehr, desto schneller wirst du dich darin einarbeiten können. Das ist auch notwendig, denn keines dieser Programme ist ein Selbstläufer. Man muss lernen, mit diesem Werkzeug umzugehen. Aber keine Panik! Mit einem professionellen Schreibprogramm macht das Schreiben viel mehr Freude. Und wenn du regelmäßig schreibst (Übrigens: Es istegal, was du schreibst, Hauptsache, du tust es regelmäßig.), dann wirst du auch ganz schnell mit den tollen Tools deines neuen Schreibbegleiters klar kommen.

Ich arbeite jetzt schon ein paar Jahre mit Papyrus, habe einmal die Version auf den neusten Stand gebracht, bzw. der bestehenden Version Upgrades verpasst. Ich möchte Papyrus nie mehr missen, aber hin und wieder muss trotzdem noch ein Stück Klopapier herhalten. Vor allem, wenn es pressiert …

Meine Kollegin Anja Bagus wird euch jetzt ihr Lieblingsprogramm Scrivener vorstellen. Viel Spaß beim Lesen ihres Gastbeitrages:

 

Was ich an Scrivener so mag – von Anja Bagus

Ich hab vor Scrivener mit Open Office geschrieben. So wie jetzt auch. Nur jetzt mit Libre Office. Warum also mach ich dazu nicht Scrivener auf? Wenn es doch mein Leib und Magen Programm ist? Weil es für so kurze und schlichte Texte nicht notwendig ist. Und … ein Punkt, der mich damals zögern ließ ist: Never change a winning horse. Also ändere auch kein funktionierenden Arbeitsablauf. Wenn du mit etwas klar kommst, und zwar schnell und für dich ohne Aufwand, dann mach es. Darum hab ich damals, als eine Freundin sagte: „Probier´s mal!“ gezögert. Warum? Ich hatte keinen Leidensdruck. Aber ich hab es gemacht und nie bereut.

Scrivener ist einfach: Du kannst mit den Voreinstellungen sofort loslegen. Schreib einfach, ohne dir um irgendwas Gedanken zu machen. Die Struktur des Programmes zeigt dir aber schnell, dass da ganz, ganz viel geht. Und zwar ohne, dass du wirklich viel lernen musst.

Du hast also losgelegt: Scrivener hat dir ein Projekt aufgemacht, es hat einen Namen und da ist der erste Ordner und eine Datei, die auf deine Worte wartet. Wenn du keine Zeit verschwenden willst, war es das und du schreibst los. Wenn doch, dann testest du direkt mal, ob du einen zweiten Ordner und noch eine Datei anlegen kannst. Und du kapierst: Ordner sind quasi Kapitel, in denen Dateien liegen. Dateien sind Szenen. Du kannst so viele machen, wie du willst! Und du kannst sie in einer anderen Ansicht, auf einem Corkboard, also einer Art Schwarzem Brett, wild verschieben. Du kannst sie auch mit der Maus verschieben oder per Tastaturbefehl.

Ich schreib z.B. meist aus mehreren Perspektiven und jeder Perspektivwechsel ist eine neue Szene. Geil: Ich kann jede so entstandene Szene einfärben. Dann sehe ich sie in der Leiste links farbig. Grün für den Helden, rot für den Bösen (alles änderbar, alles individuell einstellbar). Für jeden Helden eine eigene Farbe. Ich muss sie aber auch nicht einfärben. Ich muss gar nichts. Ich kann aber ganz viel. Rechts kann ich noch ein paar Felder ankleben. Da kann ich Notizen reinschreiben. Z.B. welches Datum gerade in der Szene herrscht. Welche Version diese Szene ist (first draft, second, etc.). Ich kann Metadaten festlegen. Ich kann Bilder und Links reinschieben etc., etc. ALLES in Scrivener kann individualisiert werden. Der komplette Schreibhinter- und Vordergrund. Alles.

Was mich damals wirklich überzeugt hat, war aber etwas ganz anderes. Denn, wenn ich etwas geschrieben habe, dann muss ich das ja auch irgendwann mal aus dem Programm raus bekommen, also ausgeben. Je nach Verwendung brauche ich da doc, docx, pdf, epub, mobi, rft, txt, und was weiß ich. Kann Scrivener alles. Ein Knopfdruck und zack. Ich konnte (vor 5 Jahren) also funktionierende (valide) mobis ausgeben. Direkt in Amazon hochladen, Geld verdienen (ohne Umweg über irgendwelche anderen Programme wie Calibre oder so).

Ich hab seither gelernt, dass das Programm noch mehr kann, nutze aber das Meiste nicht wirklich. Aber einige Dinge will ich noch erwähnen: Scrivener läuft irre stabil. Ich bin seit Beginn Admin einer deutschen Facebook-Gruppe, und dort hat noch nie jemand etwas verloren. Selbst bei Updates oder so. Man kann das Programm auf Windows und Mac gleichermaßen laufen lassen und Dateien von einem zum anderen übernehmen, auch die Synchronisation mit Dropbox etc. funktioniert. Man kann online und offline arbeiten.

Was Scrivener nicht kann: Es hat eine miese Rechtschreibprüfung und keine Stilprüfung. Für den Satz ist es auch umständlicher, als andere Programme. Aber viele sagen, da läge ich falsch – naja, ich hab keine Lust, mich reinzufuchsen.

Scrivener ist dafür vergleichsweise echt günstig! Nach dem kostenlosen Probemonat kostet es 40$. Einmalig. Keine Zusatzkosten. Niemals. Und mit Gutschein noch billiger. Alles, was man im Probemonat geschrieben hat, geht auch problemlos weiter, denn man bekommt direkt die Vollversion.

Warum schreib ich dennoch das hier nicht mit Scrivener? Ich könnte es. Aber Scrivener ist für meine Romane. Sorry.

 

Zurück zu MACH DEIN DING und weiteren spannenden Themen.

 

*DAU Dümmste Anzunehmende User

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MACH DEIN DING!

MACH DEIN DING – EINFACH SELBSTVERÖFFENTLICHEN

#machdeinding #machwerke #sandrabaumgaertner #selfpublishing #hilfe #selfpublisherin #autorin #fantasy #schreibhilfe

Sich im Bücherzirkus zu behaupten und bei Laune zu bleiben, ist selbst für alte Schreibhasen keine leichte Aufgabe. Ständig gibt es kleine oder große Stolpersteine, unendlich viele Innovationen und Veränderungen. Neue vielversprechende Verlage/Agenturen tauchen auf, alte Unternehmen verschwinden plötzlich. Und ständig stellt man sich als Autor die Frage: Was ist der richtige Weg für mich? Soll ich auf einen Verlagsvertrag hoffen oder soll ich mein Glück herausfordern und mein Buch selbst veröffentlichen?

Ich bin seit 2010 als Autorin aktiv und veröffentlichte zunächst meine Bücher bei Kleinverlagen. Dort machte ich mehrfach unschöne Erfahrungen. Nach etlichen Frustanfällen, monatelangem Grübeln, viel Recherchieren und sehr vielen Gesprächen mit bekannten und unbekannten Kollegen aus der Fantasy-Szene machte ich mich schlussendlich im Mai 2017 „selbstständig“. Ich gründete meinen MACHWERKE Verlag und tingel seither als Selfpublisherin über Buchmessen und Conventions. Für mich war es eine richtige Entscheidung, die konservative Verlagswelt zu verlassen und mein Ding zu machen. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe ich nie bereut!

Wenn du dich ebenfalls fürs Selfpublishing entscheiden möchtest oder damit liebäugelst, dich aber noch nicht aus der Deckung traust, dann stelle ich dir hier auf meinem neuen Blog MACH DEIN DING! mein Know-how zur Verfügung. Warum? Ganz einfach, weil auch ich viel von anderen Kollegen – Verlagsautoren UND Selfpublisher – gelernt habe. Diese Hilfestellungen haben mir gerade in der Anfangszeit sehr geholfen. Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar, denn ohne sie wäre ich nicht so zuversichtlich in die Autoren-Selbstständigkeit gegangen. Eines möchte ich nämlich gleich zu Beginn klarstellen: Selfpublishing ist harte Arbeit, es braucht Power, starke Nerven und kostet gerade am Anfang sehr viel Zeit und Geld. Du darfst dich von Hindernissen, Kritik und manchmal auch Anfeindungen nicht abhalten lassen. Und du musst bereit sein, dich fortzubilden, Neues auszuprobieren und immer die Augen und Ohren offenzuhalten.

Auch im Selfpublishing (SP) ist es nicht leicht, ein Buch auf den Markt zu bringen. Aber es ist eine gute, verlagsunabhängige Möglichkeit. Kein Agent oder Verlag entscheidet, ob es dein Manuskript wert ist, gelesen und gedruckt zu werden. Beim Selfpublishing entscheidest du alleine, was wann wo veröffentlicht wird. Einzig du und deine Leser urteilen, ob dein Buch lesenswert ist. Im Gegensatz zur Verlagsveröffentlichung spielt es am Ende keine Rolle, ob du mit 10 verkauften Büchern glücklich bist, oder ob dazu 1000 notwendig sind. Denn das Tolle am SP ist: Keiner misst dich anhand deiner verkauften Exemplare und entscheidet über den Werdegang deines Autorenlebens. Weder tut das die Marketingabteilung eines Verlages, noch eine Agentur. Du bestimmst dein Weg! Du bestimmst, was dich zufrieden und glücklich macht!

Alle Infos, die ich hier auf meinem Blog veröffentliche, entsprechen meinen Erfahrungen aus den gut acht Jahren im Buchzirkus. Es war/ist mein Weg. Das heißt nicht, dass dieser Weg automatisch auch für dich der richtige ist. Vielleicht dient dir mein Blog als Stütze und als Wegweiser durch den Wust an Möglichkeiten. Oder aber du hast eine völlig andere Vorstellung vom SP. Dann lass uns doch bei Gelegenheit darüber austauschen oder schreibe mir. Möglicherweise lernen wir beide etwas aus einer Unterhaltung?

Zur leichteren Lektüre erscheinen die einzelnen Themen in kleinen Kapiteln, die ich nach und nach veröffentlichen werde. Sobald ein neues Kapitel online geht, werde ich dies auf meiner Facebook-Autorenseite und auf Twitter bekannt geben. Die Links zu meinen sonstigen `Außenstellen´ findest du auf meiner Startseite. Dort kannst du auch gleich meinen Newsletter „Neues aus der Baumgärtnerschen Schreibstube“ abonnieren.

Und nun viel Spaß beim Stöbern.

Sandra

 

  1. Ganz schön markig – Nur Autor oder schon Marke?
  2. Word, Scrivener oder Papyrus? – Welche Vorteile bietet ein richtiges Schreibprogramm? Mit einem Gastbeitrag von Anja Bagus
  3. Go! Go! NaNo? – Gemeinsam schreibt es sich (vielleicht) besser – Mit einem Gastbeitrag von Janika Hoffmann

Demnächst hier zu lesen:

  • Buchgesnipsl – Mit Snipsl zu mehr Aufmerksamkeit? – Mit einem Gastbeitrag von Jennifer J. Grimm
  • Kannst du mal lesen? – Geeignete Testleser finden – Mit einem Gastbeitrag von Sonja Rüther
  • Mit Buchblogger*innen ins Abenteuer – Bitte!  Mit einem Gastbeitrag von Sandra Florean
  • Punkt, Punkt, Komma, Strich – Brauche ich ein Korrektorat/Lektorat? – Mit einem Gastbeitrag von Stephanie Kempin
  • In die richtige Form gebracht – Was ist Buchsatz? – Mit einem Gastbeitrag von Thorsten Breidbach
  • Cover machen Bücher – Was du beim Buchumschlag beachten solltest – Mit einem Gastbeitrag von Renee von Dream Design – Cover and Art
  • Das Ding mit Marketing – Buch sucht Käufer – Mit einem Gastbeitrag von Farina de Waard
  • Lesungen, Messen und Cons – Action, Baby! – Mit einem Gastbeitrag von Tom Daut
  • Alles rechtens? – Dürfen Harry, Ron und Hermine auch vorbeikommen?
  • Der perfekte Titel ist leider schon veröffentlicht? – Was ist Titelschutz
  • Buchdruck auf Bestellung- BoD – Mit einem Gastbeitrag von Henning Mützlitz
  • Amazon only? – eBook-Vertrieb
  • Wer druckt mir mein Buch?
  • Patreon als „Grundeinkommen“? – Mit einem Gastbeitrag von Judith Vogt

Du findest, hier fehlt ein wichtiges Thema? Dann schreibe mir!

 

Weitere Themen in Vorbereitung!

 

 

 

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Going Downunder – Von blondierten Schnabeligeln und dauergewellten Fotos

Das unzuverlässige Gedächtnis

Grundlage für das Schreiben der Aquarií waren meine eigenen Erinnerungen. Da ich mich aber nicht bloß auf diese bewiesenermaßen unzuverlässige Quelle beschränken wollte, habe ich meine altenn Reisetagebücher herausgekramt. Darin habe ich meine gesamte Australienreise niedergeschrieben. Ich hatte die Bücher immer bei mir, zeichnete darin Sternkarten, Tiere und Straßenschilder hinein, alles, was mir auffiel und mir wichtig erschien, um es nicht zu vergessen.

Bitte lächeln!

Ihr werdet denken: Warum hat sie das nicht einfach fotografiert? Nun, damals (ja, das war tatsächlich damals. Um genau zu sein 1991.) hatte man noch keine Handys und die Kameras waren klobige Dinger, sofern man eine qualitativ hochwertige haben wollte. Ich war stolze Besitzerin einer CANON T60. Und da Bildabzüge im Verhältnis zu heute sehr teuer waren und ich davon ausgehen musste, dass ich seeehr viele Fotos schießen würde, kaufte ich mir noch in Deutschland 10 Rollen Diafilme. Die waren nämlich bei uns günstiger als in Australien. Man musste sie in Alufolie einschlagen, weil sie sonst vom Röntgenprüfgerät des Handgepäcks beschädigt worden wären. Ich hatte vorgehabt, die vollen Filme später zurück nach Deutschland zu schicken, wo sie entwickelt werden würden. Diafilme kamen damals mit einem Entwicklungsgutschein daher. Mit den ersten 10 Rollen habe ich das dann auch getan. Die restlichen Filmrollen kaufte ich mir in Sydney, Melbourne oder wo ich auch im er war, denn es waren nicht bloß sehr viele Fotos, die ich geschossen hatte, sondern seeehr, seeehr viele. Mulljune, wie der Trierer sagt. Am Ende waren es fast an die 1000!

Das macht man doch nicht

Die Dias habe ich immer noch. Natürlich habe ich mir die schönsten Szenen als Ausdruck fertigen lassen und hübsche Fotoalben damit gefüllt. Heute nennt man das Scrapbooking, damals verrückt. Etwas anders zu nutzen als die grausigen Einklebeecken (um die wertvollen, teuren Bilder nicht zu beschädigen und um sie jederzeit wieder herausnehmen zu können) oder einen Prittstift (dessen Weichmacher die Bilder nach einem Jahr haben wellig werden lassen. Hrmpf!), Bildchen, Flyer oder Geldscheine ins Album zu kleben, war ungewöhnlich. Heute ist das normal.
Aber ich komme vom Thema ab. Erinnerungen … Reisetagebücher … genau.
So sahen meine Einträge aus: Reisetagebuch Australien Aquarii Meerjungfrauen

 

Textschnipsel gefällig? – Anmerkungen von eines Echidnas aus dem Jahr 1991Echidna Australien Sleeping Beauty Backpacking

Mann, war ich bei der Ankunft am Freitagabend in Perth fertig mit den Nerven. Der Backpacker, den ich vorab gebucht hatte, machte zunächst einen einigermaßen ordentlichen Eindruck und hatte sogar einen eigenen Pool. Im Mehrbettzimmer, das sogenannte Dormitory, standen lediglich drei Stockbetten. In einem schliefen Iris, die ich bereits auf meiner Reise hierher kennengelernt hatte, und ich. In einem anderen Bett eine Französin und deren Freundin. Die anderen beiden Mitbewohnerinnen sollten wir noch zur Genüge kennen- und hassen lernen.

Nach einer erholsamen, langen Nacht in dem ersten richtigen Bett seit zwei Nächten trotteten Iris und ich nach einem gemütlichen Frühstück mit Toast und Kaffee in die Stadt. Perth ist die Hauptstadt des Staates Western Australia und eine gemütliche, überschaubare Stadt. Sie liegt direkt an der Küste. Im Osten Australiens belächelt man Perth nur mitleidig, aber ich finde, diese Stadt hat etwas Besonderes. Sie soll angeblich die sonnigste Hauptstadt Australiens sein. Achtzig Prozent der gesamten Bevölkerung von WA leben und zelebrieren hier das `easy going´.

Ich war echt froh, Iris kennengelernt zu haben. Zu zweit ist das Reisen einfach schöner. Wir überlegen sogar, zusammen eine Tour zum Süden zu machen oder uns eventuell ein Auto zu mieten und alleine loszufahren. Aber Iris hatte wesentlich mehr Zeit zur Verfügung als ich. Sie hatte zudem ein allseits begehrtes Arbeitsvisum und somit die Möglichkeit, legal bezahlte Jobs anzunehmen und Geld zu verdienen, um ihre Urlaubskasse aufzubessern. Ich hingegen darf `nur´ reisen und Geld ausgeben. Und ich muss mich außerdem mit meinem Reiseprogramm etwas sputen. Nächstes Mal muss ich das definitiv anders organisieren!

Iris wollte sich schon seit längerem die Haare abschneiden lassen. Unseren ersten Halt war also bei einem Frisör. Wir marschierten in den Laden und ließen uns verschönern. Bei Iris klappte das gut. Ich sah hinterher jedoch mehr wie ein braun-blond geschecktes Echidna aus. Die Strähnchen waren viel zu hell ausgefallen und stachen auf meinen kurzen, dunklen Haaren wie helle Borsten heraus. Aber wie heißt es in OZ so schön? Take it easy, mate! Der Blick in den Spiegel tat dennoch weh. Wer zahlt schon gerne 75 bucks für einen grausigen Aussie-Look?

SHOPPING war nötig, um unsere Laune wieder zu heben. Wir fanden topmoderne Zehenringe, kauften Bikinis und Geschenke für zu Hause. Ich legte mir die Bibel für Rucksackreisende schlechthin zu: den Lonely Planet für WA.

Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, dachte ich. Tja, da hatte ich falsch gedacht …

Komm mit mir ins Abenteuerland

Tja, aufregende Zeiten warteten da auf mich. Ähnlich wie heute auf Melli, die Protagonistin in AQUARIÌ-Schlucht der Erinnerung. Packt also schon mal die Koffer. Bald könnt ihr in Australien auf Reisen gehen, mit Melli im Barriere Riff abtauchen, an schneeweißen Stränden abhängen und ferne Städte und fremde Welten besuchen. Macht euch bereit, für euer großes Leseabenteuer!

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Let there be COVER!

Cover Aquarii Fantasio Buchdesign Meerjungfrauen

Wollt ihr wissen, wie das tolle Cover von AQUARIÍ zustande kam? Hier kommt eine kleine Insidergeschichte für die Interesierten:
Mit dem Manuskript des ersten Bandes habe ich bereits 2014 begonnen (Nachzulesen im Beitrag Realitätsflucht vom Feinsten). Es sollte mein bisher größtes Projekt werden. Ich schrieb und schrieb und landete prompt – vermutlich auch überwältigt von der Größe des Projektes – in einer Schreibblockade. Eine Fertigstellung des ersten Bandes oder gar eines weiteren Folgebandes erschien mir plötzlich eine viel zu große Aufgabe, die ich unmöglich schaffen konnte. Das ist ein Problem, das jedem Kreativem nicht ganz unbekannt ist. Ein Glück, dass ich genügend kreative Lieblingsmenschen um mich herum habe. Einer davon ist Oliver Wetter, aka FANTASIO. Bei ein paar Kaffee und Gesprächen brachte er mich wieder auf Kurs und auf eine Idee. Warum nicht jetzt schon, im Stadium des Schreibprozesses, ein Cover für das zukünftige Buch entwerfen? Es müsste ja nicht das Endgültige sein, aber eines, das mich inspiriert und Ansporn für die Reststrecke durchs Manuskript ist. Überlegt, getan. Heraus kam die perfekt zu meinen Meermenschen entworfene Illustration, die kurz darauf in Großformat auch im Wohnzimmer hing. Mit dieser Motivation (und zusätzlichen kleinen Tritten in den Allerwertesten von anderen Herzensmenschen) schrieb sich der Rest der Rohfassung zum ersten Teil dann recht zügig. Und mehr noch: Im Zuge des NaNoWriMo2016 kam auch gleich noch der Anfang des zweiten Bandes zustande. Eine tolle Basis für die weitere Arbeit am Thema.
Als dann klar war, dass ich AQUARIÍ im Selfpublishing herausbringen würde, musste das fertige Bild noch in ein ansprechendes Cover verwandelt werden. Den Feinschliff übernahm dann Traumstoff Buchdesign, wo die Unterwasser-Szenerie einen hübschen Rahmen (Schnörkel! Yeah!) und einen auffälligen Schriftzug bekam. Mit diesem fantastischen Kleid wird sich der erste Teil Schlucht der Erinnerung super im Bücherregal präsentieren, bzw. als eBook-Eyecatcher die Herzen der Leser erfreuen.
Ich bin auf eure Meinung gespannt. Wie gefällt euch das Cover? Was findet ihr gelungen? Was würdet ihr euch anders wünschen? Nur her mit euren Urteilen. Schließlich brauche ich noch Ideen für die zwei Folgebände.

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Emmas Australien-Reisetagebuch – Eintrag 4

Schräge Vögel im Anflug auf Cairns

Auf dem Flug von Melbourne nach Cairns habe mir die meiste Zeit eine Schreibpause gegönnt, um die Aussicht zu genießen, wobei es zunächst nichts Aufregendes zu sehen gab. Aber irgendwie … vielleicht ist es die Zeitverschiebung. Ich bin immer noch todmüde, obwohl ich in Melbourne nicht mehr viel gemacht habe (aber immerhin auch nichts weiter „verloren“ habe!). Wir hatten vorhin eine Zwischenlandung in Brisbane. Die hatte ich so gar nicht auf dem Schirm und habe es erst bemerkt, als ich genauer auf meine Unterlagen und den Boardingpass sah. Der Stopover hat aber bloß eine Stunde gedauert und wir durften im Flieger sitzen bleiben. War also gar nicht so schlimm. Es gab auf der Strecke so viel zu sehen. An Canberra und Sydney sind wir leider zu weit abseits geflogen, um etwas zu sehen. Ich hatte mich insgeheim ja darauf gefreut, den Hafen mit dem berühmten „Kleiderhaken“ – die Sydney Harbour Bridge – und die „Schwangere Auster“ – das Sydney Opera House – wenigstens von oben zu sehen, wenn ich schon nicht in die Stadt komme. Muss dann wohl doch noch mal hin. Aber wir sind kurz an der Sunshine Coast vorbeigeschrappt und später an den Whitsunday Islands … Als wir kurz vor Cairns das Great Barrier Reef überflogen haben, war es ganz um mich geschehen. So etwas habe ich noch nie gesehen! Okay, vielleicht auf den Hochglanzbildern, die in Mellis Zimmer, die ich immer Australian Gallery nenne, hängen. Das Riff dann aber in Natura und in seiner Gesamtheit von oben zu sehen, ist etwas völlig anderes. Es beeindruckt mich sehr und macht mich irgendwie … ich weiß auch nicht. Demütig? Die Natur hat in Jahrhunderten oder -tausenden so was Wunderschönes gezaubert … und wir Spacken zerstören es binnen einiger Jahrzehnte. Im Flieger habe ich in der Boardillustrierten ein Artikel über das Korallensterben am Riff gelesen. Nicht wirklich schön, was den Korallen gerade passiert. Und so wie es aussieht, sind wir Menschen nicht ganz unschuldig daran. Erderwärmung, Verklappung von Müll, Bauarbeiten mitten durch die Korallenbänke … das trägt nicht zur Erhaltung des Riffs bei, sondern vielmehr zu seinem Ruin. Und das alles bloß, weil die Einen einen warmen Hintern haben wollen und die anderen Kohle. Tja, was soll ich sagen? Typisch Menschen eben … Ich bin ja auch nicht viel besser. Ich mag gar nicht dran denken, wie mies mein CO2-Fußabdruck nach den vielen Flügen ist. Aber immerhin weiß ich jetzt, warum es sich lohnt, über so etwas zukünftig intensiver nachzudenken.
Comic Farside Piloten Australien AquariiEin anderer Hammer während des Fluges war mein Blick ins Cockpit. Die Australier sind da echt „laid back“ und entspannter als andere. Als ich die Stewardess spaßeshalber fragte, ob es möglich sei, mal ins Cockpit schauen zu dürfen, lehnte sie sehr zu meiner Überraschung nicht ab, sondern meinte stattdessen, dass sie die Piloten fragen würde. Ich dachte zuerst: „Okay, das ist eine Ausrede. Es ist für Passagiere bestimmt verboten, dem Cockpit näher als nur ein paar Schritte zu kommen.“ Aber die Stewardess kam zurück und brachte mich tatsächlich nach vorne. Ich war echt baff! Die zwei Piloten (Steven Connor und Brian Collins, oder so ähnlich) waren tiefenentspannt, erklärten mir ganz lässig ein paar ihrer Anzeigen und tranken derweilen gemütlich ihren Kaffee, den ihnen die Stewardess servierte. Ich fand die unzähligen Anzeigen, Knöpfe und Hebel furchtbar unübersichtlich, aber ich bin ja auch kein Pilot und muss den Vogel nicht fliegen. Die haben an der Tür sogar einen kleinen Cartoon von „The Farside“ im Cockpit aufgehängt. Den kannte ich und als ich auf den Witz hinwies und sagte, dass es ein echt guter Witz ist, schauten sich die Zwei an und nickten sich verschwörerisch zu. Bevor ich mich versah, schaltete Steven den Autopiloten ab (ich weiß es, weil er es mir zuvor ankündigte) und zog seinen Joystick zuerst nach rechts und dann nach links. Das Flugzeug neigte sich krass nach rechts und nach links und kam dann wieder in die Horizontale. Die Zwei grinsten sich einen. Mir hingegen fiel die Kinnlade runter und kein passender Kommentar ein. Krass! Echt durchgeknallt, die Aussies! Und dabei super symphatisch. Ich glaub, ich suche mir wirklich einen australischen Surfe-Knackhintern, niste mich in seine Strandhütte ein und bleibe für immer. Australien und die Typen gefallen mir jetzt schon. Wenn sie nicht gerade rote Käppis tragen.
Mensch! Hier sitze ich und schreibe nur über mich. Dabei geht es doch um Melli. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht gleich mit ihr mitgeflogen bin (Habe ich das schon mal geschrieben? Egal), und sie begleitet habe. Dann wäre vielleicht nichts passiert. Zumindest wüsste ich, was los ist. Na ja, es sind nur noch ein paar Minuten, dann landen wir in Cairns. Leider weiß ich nicht, in welchem der vielen Motels oder Backpackern Melli und Juri untergekommen sind. Ich muss einfach auf meinen guten Spürsinn vertrauen. Ich weiß, dass sich Melli eine Liste geschrieben hatte, wo alle Sehenswürdigkeiten notiert waren. Und ein paar Backpackers und Hotels hatte sie sich auch rausgesucht. Australien Aquarii Pirat Jack SparrowIch werde einfach das Telefonbuch von Cairns durchblättern und schauen, ob es bei mir irgendwann klingelt, wenn ich die Namen lese. Vielleicht erinnere ich mich an einen. Und wenn nicht, werde ich eben so lange durch die Stadt laufen, bis ich Melli gefunden habe. Oder ich rufe die Unterkünfte der Reihe nach an und erkundige mich, ob dort ein deutscher KACKarsch mit Tumi-Rollkoffer eingecheckt hat. *LACH* Echt, dieser Idiot! Mit einem hippen Rollkoffer auf eine Australien-Rundreise zu gehen ist ungefähr genauso schräg, wie mit einer 20-Kilo-Hantel tauchen zu gehen. Es hätte mir gleich zu denken geben sollen. Aber zur Not habe ich auch noch ein paar andere Anhaltspunkte. Tamati zum Beispiel. Dieser Seglertyp, mit dem Melli das tolle Foto gemacht hat. Von dem weiß ich, dass er an irgendeiner Pier seinen roten Katamaran liegen hat. So ein knalliges Boot sollte doch einfach zu finden sein. Normalerweise sind die Schiffe immer im klassischen Weiß gehalten. Zeugt von viel Geschmack, wenn ein Typ nicht mit dem Mainstream schwimmt. Tihihi. Bin echt auf den Typen gespannt. Moment. Der trägt doch hoffentlich kein rotes Käppie? Ein rotes Piratentuch würde ich ihm hingegen noch durchgehen lassen.
Warum sich Melli bisher nicht mehr gemeldet hat, bleibt ein Rätsel. Ich habe mich mit dem neuen Handy gleich was geschrieben, aber sie hat sich noch nicht gemuckst. Das macht mich ein bisschen nervös. Will sie vielleicht gar nicht, dass ich komme? Nein, blöder Gedanke! Idiotischer Gedanke! Ksssch, hau ab! Natürlich wird sie sich freuen. Schließlich hat sie mich damals gefragt, ob ich mitkommen möchte. Dass ich ihr jetzt nachreise, wird sie freuen und nicht nerven. Ganz bestimmt.

Riff Australien Aquarii ReefGerade kam die Durchsage von der Stewardess, dass wir die Reiseflughöhe verlassen haben und in wenigen Minuten landen werden. Also Tisch einklappen, Sitz gerade stellen … das Übliche. Da unten schimmert es türkis. Uuuuups! Jetzt sind wir in eine weiße Wattewolke reingeflogen und haben einen kurzen Satz nach unten gemacht. Waaaaah! Ich hatte einen Flug gebucht, keine Fahrt in einer Achterbahn. Hilfe! Ich mag das nicht. Oder erlauben sich Steven und Brian da wieder einen Scherz? Hauptsache, die machen keinen Quatsch und glauben, sie müssten mich beeindrucken. Aber wir haben es gleich. Ich sehe schon das Rollfeld. Melli, ich komme!

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Die Wunder am Great Barrier Reef

G´Day mates!
 
Das Tauchen am Great Barrier Reef ist für viele eines der schönesten Erlebnisse ihrer Australienreise. Auch mir blieb damals schlichtweg die Luft weg. Nicht, weil ich den Kopf zu lange unter Wasser hielt, sondern weil die Arten- und Farbenvielfalt einfach umwerfend war. Leider ist das Riff aktuell in großer Gefahr. Vielleicht habt ihr schon davon gehört? Das Riff leidet unter einer andauernden Korallenbleiche. Ganze Areale des lebendigen Riffs sterben ab, übrig bleiben bleiche, tote Gerippe ohne Leben. Eine sehr traurige Entwicklung, an der der Mensch nicht ganz unschuldig ist. Ich mag jedoch die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch unsere Kinder eines Tages noch die Wunder des Great Barrier Reefs erleben und erfahren können.
In diesem kleinen YT-Filmchen von Queensland.com bekommt ihr zumindest einen winzigen Eindruck von der wunderbaren Region. Oder wart ihr selbst schon dort? Welche Abenteuer habt ihr erlebt? Erzählt es mir doch bitte. 🙂
 
Barriere Riff Australien Meerjungfrauen Aquarii
(Alle Bilder von Pixabay)
 
 
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Emmas Australien-Reisetagebuch – Eintrag 3

Melbourne – oder: Selbst in der tollsten Stadt leben Vollhonks

Was für eine irre Stadt! Vom Flughafen, der etwa 25 Kilometer nord-östlich der Stadt liegt, bin ich mit dem Skybus erst einmal zur Southern Cross Train Station gefahren. Die Flut an Informationen dort war echt überwältigend. Mein Kopf brummte, ich war völlig fertig und hatte keinen Plan, wie ich zu meiner Unterkunft kommen sollte. Mir kam es vor, als würde es Millionen Möglichkeiten geben, bloß war ich zu dumm, die richtige zu finden. Zum Glück laufen in der Station viele gut gelaunte und hilfsbereite Angestellte rum. Eine total nette Australierin hat mir Doofi dann erklärten, wo ich Flinder Stastion Melbourne Australien Aquariihinmuss. Ich dachte eigentlich, ich kann gut Englisch. 12 Punkte sind schließlich nicht übel. Aber Englisch ist offensichtlich nicht gleich Australisch. Dabei klingt das Australische aber viel freundlicher und kein bisschen spießig. Kommt vielleicht auch auf den Dialekt an. Egal. Immerhin habe ich schlussendlich kapiert, was die Frau mir sagen wollte. Wenn auch erst mit ein paar Mal nachhaken. Dabei haben wir total viel gelacht. Tja, da konnte ich wenigstens noch lachen …

Die Sache mit dem Motel lasse ich mal weg. Interessiert eh keinen, wie es da aussieht. Ein Zimmer mit kleinem Bad und Bett eben. Abgesehen vom geilen Poster an der Wand eher von der langweiligen Sorte. Rucksack also abgestellt, umgezogen, frisch gemacht, Wertsachen eingesteckt und weiter ging´s. Ich bin schließlich nicht zum Schlafen nach Australien gekommen.

St Kilda Melbourne Australia AquariiMit der Tram fuhr ich nach St. Kilda, der kultigen Stadt im Süden von Melbourne. St. Kilda liegt an der Port-Phillip-Bucht. Da steht direkt am Strand auch ein Freizeitpark, den ich aber nicht besucht habe. Frisst mir zuviel Zeit. Apropos Fressen. Ich habe mir lieber eine Pizza besorgt, mich damit an den Strand gesetzt und die Aussicht genossen. Es hätten gerne weniger Trubel um mich rum sein dürfen. Hier tummelt sich einfach alles: Menschen, Hunde, Kinder, und sogar Pinguine! Na, es war eben laut. Ruhe hätte ich erholsamer gefunden. Aber wie war das mit dem „Ich bin nicht zum Schlafen hier“? Womöglich wäre ich ohne die Geräusche vom Wellenrauschen eingelullt worden und ich wäre mit Pizza auf dem Schoß eingeschlafen. St Kilda Melbourne Australia Aquarii
Tja, und dann setzte sich so ein Typ neben mich. Breites Lachen, braun gebrannt, rotes Käppi aufm Kopf. Eigentlich süß. Er hat mich gefragt, woher ich käme und als ich ihm sagte, dass ich aus Deutschland bin, da war er total interessiert. Seine Oma käme nämlich aus Deutschland, aus München, ob ich das kenne. Joa, München kenne ich ja noch von der Oberstufenreise. Wir redeten eine ganze Weile, erst über „Munschen“, wie er es aussprach (das fand ich da noch ganz süß) und später dann über den Rest Deutschlands. Dass ich aus Trier komme, habe ich ihm aber nicht verraten, sondern behauptet, ich wohne in Frankfurt. Das kannte er nicht, hatte er angeblich noch nie von gehört. Das hätte mich misstrauisch stimmen sollen … Ich meine … Hallo? Frankfurt? Sollte man doch kennen, oder? Immerhin ist dort der größte Flughafen Deutschlands. Er verabschiedete sich dann mit vielen „Take care“ und „Really nice to meet you“ und anderen Nettigkeiten und zog davon. Mit meinem Handy, das er mir während eines unbeobachteten Moments wohl aus dem Rucksack geklaut hat. Danke auch, du Vollhonk! Du wirst nichts damit anfangen können. Erstens ist es steinalt, zweitens ist eine SIM-Sperre drin und drittens könnte ich herausfinden, wo du es hinbringst. Das heißt, ich könnte, wenn du es mir zuhause geklaut hättest. Aber ich bin jetzt in Australien und mein Handy war dafür gedacht, eine neue SIM aufzunehmen, damit ich es wieder benutzen kann. Super. Danke auch. Nicht!
Lorekeets Melbourne Australien AquariiIch bin dann also erst einmal zu einem Telefonanbieter, von denen es zum Glück sehr viele in Melbourne gibt, und habe mir ein neues Mobil-Phone zugelegt. Das Geld hätte ich gerne für etwas anderes ausgegeben, aber ohne Handy ist auch doof. Das sollte aber nicht das Letzte bleiben, was mir an Mist passieren sollte. Als ich nämlich ins Motel zurückkam, sah mein Zimmer anders aus, als vorher. Nicht unbedingt schicker. Meine Klamotten hatte jemand hübsch unordentlich auf dem Boden verteilt. Mein Kleidungsstil schien ihm nicht sonderlich gefallen zu haben, denn es fehlte kein Stück. Dafür aber meine Powerbank, das Ladekabel und die USB-Sticks, auf die ich die Fotos von der Kamera zwischenparken wollte (Ja, ja. Ich weiß, ich bin da altmodisch. Ich könnte sie auch in die Cloud laden. Aber …). Und seltsamerweise fehlte auch die Liste mit Mailadressen und Telefonnummern, die ich mir vorsorglich ausgedruckt mitgenommen habe, falls mir das Handy abhandenkommen sollte. Was es ja leider auch gleich am ersten Tag getan hatte. So ein Kack! Das ist aber nicht weiter schlimm. Alle sensiblen Unterlagen und Wertsachen trage ich ja bei mir. Und die sind alle noch da. Die hat der Käppi-Honk nicht haben wollen. Und notfalls könnte mir meine Mutter die Liste auch noch mal schicken. Kein großes Drama also. Aber die Vorstellung, dass jemand in meinen Sachen rumgefingert hat, und sich vielleicht alles genau ausgeschaut hat, vielleicht sogar etwas anprobiert hat … GRU-SE-LIG! Warum macht so jemand so was? Ich verstehe es nicht. Aber gut, wie gesagt, es ist kein Drama. Ich werde drüber wegkommen. Und jetzt konzentriere ich mich auf das, was ansteht: die restliche Zeit in Melbourne möglichst ohne weitere Verluste rumkriegen und dann weiter nach Cairns fliegen, um nach Melli zu fahnden.
Mal sehen, ob mir das gelingt.

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Tales of aboriginal Oceanlogging

Tales of aboriginal Oceanlogging

Ich erzählte es bereits in meinem Beitrag Realitätsflucht vom Feinsten. Ich erschuf in AQUARIÍ neben der eigentlichen Fantasy-Story auch die Entstehungsgeschichte der Meerwesen. Sie entstand in Anlehnung an die Dreamtime Aborigines, der Ureinwohner Autraliens, die ihr Wissen von Generation zu Generation ausschließlich mündlich weitergeben. In den „Tales of aboriginal Oceanlogging“ von AQUARIÍ bekommt der Leser einen Eindruck von der spirituellen und natürlichen Ordnung. Er erfährt von Aqua-Aháa, der Göttin, die für die Entstehung der Erde und der Ozeane, für die Vielfalt von Fauna und Flora verantwortlich ist. Legenden zum Alltag der Meeresbewohner runden das Ganze ab.
Innerhalb der eigentlichen Story werden die Geschichten nur in deutsch zu lesen sein. Jedoch sind die Übersetzungen ins Australische von Heidi Zerno so wunderbar geworden, dass ich euch diese nicht vorenthalten möchte. Alle Bücher (Print/eBook) werden daher die „Tales of aboriginal Oceanlogging“ auch in englischer Version beinhalten.

Hier nun die erste Geschichte „The creation of land and oceans“ (Die Entstehung von Land und Ozean). Enjoy!

Aquarii Oceanlogging Australien Mustread

Hier findet man mich:

23.-25.08.2019 FaRK in Landsweiler-Reden

14.-15.09.2019 HomBuch-Homburg

19.-21.06.2020 Buchmesse Saar

 

 

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