Kinder haben keine Lust zum Lesen und zum Schreiben erst recht nicht. So die gängige Meinung. Den kleinen Vampiren in der Baumgärtnerschen Gruft bleibt beides nicht erspart. Sie müssen/dürfen lesen und schreiben. Manchmal funktioniert es nur mit Bestechung in Form von Gummibärchen, manchmal sind sie aber auch ohne Belohnung mit Feuereifer dabei. Ersteres immer dann, wenn es ums Lernen geht (z.B. bei Diktaten oder klassischen Schreibübungen). Letzteres dann, wenn es um Dinge geht, die sie interessieren. Das Schreiben eines Regelwerkes für das eigene, erfundene Kartenspiel zum Beispiel oder das Selbstlesen eines Buches, dessen Thema gefällt. Schreiben und Lesen werden immer dann zur Null-Bock-Angelegenheit, wenn Vorschriften gelten. Jeder kennt diese demoralisierenden Sätze: „Das ist falsch“, „Schreib ordentlicher“ und „Thema verfehlt, Note sechs, setzten“. Das ist vielleicht überspitzt ausgedrückt, bringt es aber genau auf den Punkt, warum …

 … Kinder keinen Spaß am Schreiben oder besser gesagt keinen Spaß an der Nutzung von Wörtern haben.
Bleiben wir mal beim Schreiben. Fallen Vorschriften wie Benotungen, Konventionen oder Bewertungen weg, dann entwickelt sich ein ganz eigener Spachkosmos, in dem das Kind schreibt, wie es ihm gerade gefällt. Bestes Beispiel: klasseninterne WhatsApp-Gruppen. Würde man diese Texte  aneinanderreihen, ergäben sie sicherlich eine ganze Reihe von Büchern (Selbst, wenn man die tausend „Hi´s“, „WMD“ und Emojis weglässt). Was im Alltag also fehlt, ist Freiheit. Dazu werden heutzutage viele kreative Schreibworkshops angeboten. Eine tolle Sache, um „Die Jugend“ zum Schreiben zu bewegen.

Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich nicht eine Projektwoche zum Thema „Kreatives Schreiben“ an einem Gymnasium betreuen wollte. Natürlich wollte ich. Die Theorie ist mir schließlich aus eigener Erfahrung bekannt. Aber heute durfte ich die allererste Stunde in der Praxis erleben. Ich war eingeladen, mich, meine Arbeit als Schriftstellerin und unser Vorhaben während der geplanten Projektwoche vor 30 Schülern der sechsten Klasse vorzustellen.
Ich erwartete mehr oder minder motivierte Schüler, die kein Spaß am Schreiben/Lesen hatten. Tatsächlich gaben viele an, gerne zu lesen. Beim Schreiben waren es dann schon weniger. Auf Nachfrage, warum Schreiben denn langweilig sei, kamen Antworten wie: „Meine Hand tut nach dem vielen Schreiben so weh“, „Das Thema interessiert mich nicht“ oder „Ich bin viel zu faul“.
Nachdenk geklärt war, dass auch das Schreiben auf einem PC oder Handy als „Schreiben“ zählt, horchten die Ersten auf. Als ich dann erklärte, dass das Thema frei wählbar sei, wurden noch mehr aufmerksam. Dann ging es los. „Geht auch ein Comic?“, „Kann ich auch ein Witzebuch schreiben?“, „Ich würde gerne ein Drehbuch schreiben“. Eine Frage folgte der nächsten. Unglaublich, welcher Ideenreichtum da auf einmal bei Kindern auftat. Auch bei denen, die vorher angeblich keine Lust zum Schreiben hatten.
Beim Verabschieden sprachen mich gleich drei Kinder an, sie hätten mal eine ganze Geschichte geschrieben. Ob ich die nicht lesen könnte? Oder ob sie die angefangene Geschichte zum Workshop mitbringen dürften, damit sie daran weiterarbeiten könnten?

Ich verbuche diesen ersten Besuch als Erfolg und als kleinen Hoffnungsschimmer. Ich weiß, er ist bar jeder Realität. Denn natürlich ist eine korrekte Schrift wichtig und richtig! Grammatik machte der Lesen und die Leben mehr einfach. Aber um Spaß zu vermitteln, bedarf es eben auch der Freiheit. Und die bleibt bei dem strengen Lehrplan in der Schule leider (zwangsläufig) oft auf der Strecke. Wenn man den Buchstabenmuffeln diese nur ließe, dann würden sie vielleicht … hoffentlich … zu Buchstabenkünstlern werden. Aber auch das ist nur meine Theorie.

Der Schreibworkshop, den ich CLASH OF FANTASY getauft habe, beginnt im Mai. Und natürlich werde ich euch davon hier auf meinem Blog berichten. Schließlich mag ich das Schreiben sehr gerne. Auch mit Vorschriften und Bewertungen. Obgleich ich manchmal auch gerne ausbreche und die Rechtschreibung (und vor allem die Kommas …) über Bord werfe. Einfach, weil es lustig ist. So, wie der obige Satz oder das Bilderspiel im Beitragsfoto. Versucht es doch auch mal und sprecht/schreibt den bekannten Zungenbrecher von Fischers Fritz mit dem Anfangsbuchstaben eures Namens.
Viel Spaß beim Buchwechselverstaben wünscht euch

Sandra

PS: Und wenn ihr auch gerne schreibt, dann tut doch hier unter dem Beitrag eure Meinung zum Thema kund. Oder seid ihr zu faul? 😉