VAMPI-Lesung mit Tom Daut und BenSwerk in der Lesebude auf der LBM 2017

Der Floh im Buchzirkus

Im Jahr 2018 sind rund 71.500 Buchtitel auf dem deutschen Markt neu erschienen (Info aus de.statista.com – Buchtitelproduktion: Anzahl der Neuerscheinungen in Deutschland in den Jahren 2002 bis 2018). Das heißt, dass an dem Tag, an dem ich “Aquarií-Schlucht der Erinnerung” veröffentlicht habe, noch 194 andere Autoren ganz ungeduldig und voller Vorfreude auf die Veröffentlichung ihres, natürlich einzigartigen Werkes gewartet haben. Für mich gab es in diesem Moment nur mein Buch. Aber für die Leser gab es neben den 195 Neuerscheinungen auch noch Millionen andere, interessante, älterer Titel. Mein Buchbaby war also nichts anderes, als der berühmte Floh im Bücherzirkus. Kaum auffindbar und nur schwer zu sehen. Was also tun, damit die Leser auch von meinem gedruckten Buch erfahren, es kaufen und lesen wollen?

Suche: Leser – Biete: Buch

Dass man als Autor aktiv sein muss, erfuhr ich recht früh. Mein erster Verlag setzte meine Mitarbeit voraus, damit das Buch überhaupt produziert wurde. Das war mir recht, denn natürlich wollte ich am liebsten der ganzen Welt von meinem Werk erzählen. Ich habe meine erste Ausbildung bei einem Traditionsoptiker im Einzelhandel gemacht. Verkaufen war mein Ding. Dass ich jetzt statt Nasenfahrräder Bücher (meine Bücher!) verkaufen sollte, fand ich super. Und bereits beim ersten Anlauf zur Leipziger Buchmesse 2012 fing ich richtig Feuer. Meine Lesung in der alten Sixtina in der Leipziger Innenstadt vor knapp 10 Leuten war der Beginn einer wunderbaren Autorenkarriere.

Aus jeder kleinsten Lesung erwächst etwas Großes

Dabei blieb die Frau, die mich dabei am meisten weitergebracht hat, gar nicht einmal zur Lesung, sondern schneite nur kurz herein, um mich darauf hinzuweisen, dass mein Vampir-Thema super zur RingCon in Bonn passen würde. Sie riet mir, mich dort um eine Lesung zu bewerben, und zog dann weiter. Ich war natürlich traurig, dass eine potentielle Leserin davonging, schließlich hätte sie ja auch mein Buch kaufen können. Ihr Tipp war aber weitaus mehr wert, als der Kauf eines Buches. Ich bewarb mich, ihrem Rat folgend, bei der RingCon um eine Lesung und landete damit im größten Abenteuer meines Lebens. Ich lerne tolle Buchmenschen kennen, die ich bis heute geschäftlich wie freundschaftlich sehr schätze, und die mich bei meinen ersten Gehversuchen als Autorin sehr unterstützen. Merke: Aus jeder scheinbar noch so unlohnenden Sache können sich manches Mal die großartigsten Dinge entwickeln. Also gib allzeit dein Bestes. Kein einziger Schritt in deiner Autorenkarriere ist unnötig!

Schweigen ist doof, Reden ist goldwert

Ein Tipp, den ich immer wieder weitergebe: Reden ist wichtig! Autoren sitzen viel zu oft alleine im stillen Schreibkämmerlein. Das ist zwar okay, aber wenn das Buch endlich gedruckt ist, bringt Zurückhaltung gerade als Selfpublisher nichts. Im Gegenteil: Stillschweigen ist kontraproduktiv. Du musst raus in die Welt und über dein Werk reden, reden, reden. Nicht nur in Sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co, sondern tatsächlich draußen in Buchhandlungen, auf Messen und Konventions, also überall dort, wo Menschen sind und es um Bücher geht.

Da, wo Bücher sind

Du hast keine Ahnung, wo sich der Buchzirkus befindet? Auch hier: reden hilft. Schau im Internet nach Buchmessen und frag bei Autoren z.B. in Schreibgruppen nach. Erkundige dich auch bei deinem Lieblingsbuchhändler um die Ecke, ob er dir vielleicht eine Möglichkeit zum Vorstellen deines Buches bietet. Selbst wenn er dir eine Absage erteilt, hat er möglicherweise wenigstens einen Tipp, wo du noch nachfragen könntet. Gib nicht auf! Stöbere auf Homepages/Fanpages von Autoren, die du kennst. Wo sind die Kollegen unterwegs? Wo lesen sie, auf welchen Events tummeln sie sich gerne? Frag dort nach eine Lesungsmöglichkeit oder einem Büchertisch. Mein jährliches Lieblingsevent ist die Leipziger Buchmesse, aber es gibt auch die FeenCon in Bonn, die HomBuch in Homburg, oder große Konventions wie die FaRK in Reden oder die PMT in Saarbrücken. Spitz die Ohren, hör dich um. Es gibt ganz bestimmt auch in deinem näheren Umfeld die passende Veranstaltung, zu der du dein Werk mit einer Lesung oder gar einem Autorenstand vorstellen kannst.

Schnickschnack, Krams und Bücher

Zugegeben: Anfangs ist es nicht leicht, sich zu behaupten. Man hat ja nur ein einziges Buch, das man anbieten kann. Auf einem Autorentisch sieht das dann nicht gerade üppig aus. Dennoch solltest du dich davon nicht abschrecken lassen. Überlege dir ein Standdesign, das zu dir und deinem Thema passt. Eine schöne Tischdecke ist das Erste, das du dir zulegen solltest. Kaufe dir passende Dekoartikel und bastle kleine, zum Buch passende Goodies. Buchinteressierte lieben kostenlose Mitnahmeartikel wie Lesezeichen, Flyer oder auch Bonbons. Deine Protagonistin backt gerne Kekse? Prima, dann backe sie nach und biete sie den Interessierten an deinem Tisch an, während du ihnen von deinem Buch erzählst und ihnen hinterher den Fyler zum Buch mitgibst, auf dem neben der Werbung auch das Rezept der Kekse (=Mehrwert!) steht. Nutze alles Mögliche, was zum Thema passt, um deinen Tisch aufzuhübschen. Je mehr sichtbare „Aufhänger“ die Leute bei dir finden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie stehen bleiben und einen zweiten Blick auf dein Buch riskieren.

Das absolute No-Go!

Nichts ist unattraktiver, als ein leere Tischplatte, außer eine leere Tischplatte mit jemand dahinter, der sich offensichtlich langweilt und lieber mit seinem Handy daddelt, als Interessenten zuzulächeln und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Wenn dich ein möglicher Käufer so desinteressiert da sitzen sieht, wird er vermutlich kein zweites Mal bei dir vorbeischauen. Es ist extrem wichtig, mit den Vorbeiziehenden Blickkontakt herzustellen und sie anzusprechen. Das funktioniert um so leichter, je ansprechender du dich und deine Werke präsentierst. Also achte auch auf dein Erscheinungsbild (siehe Markenbildung). Das sind meiner Meinung nach die wichtigste Zutaten für einen erfolgreichen Direkt-Buchverkauf. Im Internet gelten andere Regeln, aber dazu gibt es in einem anderen Beitrag bald mehr Information.

Copy&Paste – Noch ein No-Go!

Wer mich kennt, weiß, wie ich mich und meine Werke präsentiere. Wer mich nicht kennt, kann sich gerne anhand der Fotos auf meiner Instagram- oder Facebookseite und auf meiner Homepage ein Bild davon machen. Hole dir dort – wie auch von anderen aktiven Autoren – Inspirationen, aber kopiere nicht stumpf, denn das merken die Leser (und vor allem auch die betroffenen Autoren) sehr schnell und gehen möglicherweise auf Abstand. Also sei kreativ, so wie du es beim Schreiben deines Werkes auch warst. Denke dir etwas für dich Passendes aus, mit dem du dich wohl fühlst. Dein ganz persönlicher Stil muss nicht gleich zu Beginn hundertprozentig sein, aber er muss hundertprozentig zu dir passen, um glaubwürdig und authentisch zu wirken.

Ein Autor, der das Handwerk des erfolgreichen Buchverkäufers perfektioniert hat, ist mein Kollege Tom Daut. Seine prägnante Stimme und seine engagierten Auftritte auf Messen, Cons und Co lässt kaum jemanden unbeeindruckt. Auch er hat noch einige Tipps für euch.

Viel Spaß beim Lesen seines Gastbeitrages.

 

Action, Baby! – Lesungen, Messen und Cons – von Tom Daut

Ich persönlich gehe bei solchen Gelegenheiten sehr gerne mit der Leserschaft auf Tuchfühlung, aber um herausfinden, ob das auch etwas für euch ist, klären wir zunächst ein paar Basisfragen.

1. Wozu sind solche Veranstaltungen gut?

Wenn man grundsätzlich auf Menschen zugehen kann und den Vortrag vor Publikum wenigstens einigermaßen beherrscht, kann man durch Cons, Messen und Lesungen eine enge Bindung zum Stammpublikum aufbauen. Dieselben Leute warten später auf eure Neuveröffentlichungen und werden euch mit Rückmeldungen durch so manche dunkle Stunde des Autorenweges bringen.

Möchtet ihr es aber ganz unromantisch betrachten, dann stellen Messen und Cons ein wichtiges Marketingstandbein dar. Gerade wenn man in einem Kleinverlag ohne großes Werbebudget veröffentlicht wird. Ihr könnt dort euch und eure Geschichten mindestens in der literarischen Nische etablieren, in der ihr euch bewegt. Durchhaltevermögen ist dabei gaaaanz wichtig. So etwas klappt nicht durch bloßes Abklappern von drei Cons und einer Messe, sondern nimmt Jahre in Anspruch. Ach ja, Bücher könnt ihr dabei natürlich auch verkaufen. Das Spritgeld soll ja wieder reinkommen. 😉

2. Con? Was mache ich da?

Kurze Antwort: Euer Ding präsentieren. Und dies natürlich möglichst positiv. Dazu gehört ein Stand und am besten eine Lesung auf der entsprechenden Veranstaltung. Googelt den Begriff Con und ihr werdet eine Menge Websites von eben jenen finden. Auf den meisten gibt es auch direkt die Möglichkeit, euch über Kontaktformulare oder per E-Mail anzumelden. Keine Scheu! Die Orga-Teams bestehen allesamt aus netten zugewandten Nerds, die neuen Geschichten von neuen Autorinnen/Autoren keinesfalls abgeneigt sind. NordCon (Hamburg), FeenCon (Bonn), FaRK (Saarland) und Buchmesse Convent (Frankfurt) sind die größten aller vier Himmelsrichtungen. Dazwischen gibt es aber auch noch eine Menge mehr.

3. Stand einrichten

In der Regel stellt die Orga Tische bzw. Tischmeter zur Verfügung. Bei einigen könnt ihr auch mit einem eigenen Stand vorbeikommen. Am Stand sehen euch die Besucher den meisten Teil des Tages, also solltet ihr ins Auge fallen. Wie bei jedem guten Marketing für Autoren müsst ihr nun über die Manuskriptseiten hinaus kreativ werden. Überlegt euch, wie man die Atmosphäre eurer Geschichten visuell am besten auf den Punkt bringt. Auf jeden Tisch gehört neben den Büchern mindestens eine Decke und das ein oder andere ausdrucksstarke aber geschmackvolle Deko-Accessoire. Achtung: nicht übertreiben, Flyer und/oder Visitenkarten nicht vergessen! Passende Bekleidung hilft, das Gesamtkonzept abzurunden. Im Zweifelsfall holt euch jemanden aus dem Bekanntenkreis an Bord, der davon mehr Ahnung hat als ihr selbst. Oder fotografiert das Ganze und holt euch im Nachhinein Rückmeldung. Gerade anfangs läuft nicht alles perfekt, aber das ist verzeihbar. You live, you learn.

4. Den ganzen Tag am Stand sitzen

Ein No-Go. Dürft ihr nicht machen. Auf keinen Fall. Nein, nein, nein. Klar, ein zwischenzeitliches Entspannen der müden Beine beim Essen sei erlaubt, aber wer ausschließlich hinter dem Tisch hockt, wird abends enttäuscht nach Hause fahren. Da nutzt die beste Standdeko nix. Das Publikum ist neugierig, aber das Angebot auf Cons und Messen entsprechend bunt und man hat nicht unbedingt auf euch gewartet. Signalisiert Bereitschaft. Überwindet eure Scheu. Geht auf die Leute zu, sprecht sie an und versucht, die Begeisterung für die eigenen Geschichten auf sie zu übertragen. Allerdings gilt auch in diesem Fall: nicht übertreiben.

Ich mag es auch nicht, auf dem Markt von penetranten Händlern irgendein Putzmittel für Windschutzscheiben aufgeschwatzt zu bekommen. Bleibt freundlich und begeistert, werdet aber nicht fordernd. Sollte euer Gegenüber kein Interesse bekunden, nehmt das nicht persönlich. Ihr müsst euer Publikum noch finden. Selbst Autoren mit Auflage im Zehntausenderbereich werden nicht von jedem gelesen. Darüber hinaus solltet ihr am Stand schon mal Werbung für eure Lesung betreiben. Die Zuhörer in spe rennen euch in der Regel nicht von selbst die Bude ein.

5. Eine Lesung!? Oh, mein Gott!!!

Natürlich ist es nicht zwangsläufig so, dass jemand, der gut schreiben kann, auch in der Lage ist, die Rampensau beim Lesen raushängen zu lassen. Erwartet auch niemand. Wäre nur besser. 😉 Bietet auf jeden Fall mehr als ein lustloses Runterrattern der Geschichte neben einem Wasserglas. Prinzipiell solltet ihr vorher mindestens Textsicherheit herstellen. Entweder seid ihr in der Hinsicht Naturtalente oder es hilft bloß üben, üben, üben. Ich übe an neuen Texten immer bis zur Bewusstlosigkeit.

Dann solltet ihr herausfinden, in welchem Vortragstil ihr euch am wohlsten fühlt. Die Performancebombe? Ausdrucksstarker Vortragstil mit satten Gesten? Der Märchenonkel, der mit dickem Buch und angenehmer Stimme neben dem Kamin die Zuhörer betört? Oder der Erzähler, der nach jedem gelesenen Abschnitt kleine Anekdoten zum Besten gibt? Eignet sich besonders für Leute, die mit den ersten beiden Arten nicht zurechtkommen. Vielleicht findet ihr auch eine eigene Variante. Anregungen findet ihr im Hörbuchsektor. Reinhören, nachmachen. Aber egal wie, seid alles, nur nicht langweilig. Lasst kein Frontalunterrichtssetting aufkommen. Ihr seid schließlich UNTERHALTUNGs-künstler und das Publikum wird es euch danken.

Ihr lest auf Cons? Schreibt einen appetitanregenden Text für das Programm und macht fleißig Werbung am Stand. Ihr lest in einer Bücherei, Buchhandlung oder ähnlichem? Schreibt einen neugierigmachenden Text für die lokale Presse und druckt eine ansprechende Ankündigung für Schaukästen oder -fenster aus. Sofern die Veranstalter von sich aus nichts vorbereitet haben, gilt für den Lesetisch das Gleiche wie für den Stand: dekoriert ihn und schafft damit eine Atmosphäre, die dem Publikum bereits vor dem ersten Wort verrät, in welche Richtung es gehen soll. Dann lest los. Wenn Fehler passieren, lest darüber hinweg oder besser noch: nutzt die Gelegenheit und baut einen Witz ein. In der Regel wirkt ihr dadurch nur um so sympathischer. Zum Überprüfen der eigenen Leseleistung ist es übrigens ziemlich hilfreich, sich selbst zu filmen und so lange herumzuprobieren, bis es passt.

Wenn ihr alles oben genannte in Betracht gezogen habt, werdet ihr über kurz oder lang Geschmack an der Droge Con finden. Lasst euch auf keinen Fall von den zahlreichen Details oder von den aufgezählten Ansprüchen (bzw. euren eigenen) abschrecken. Üblicherweise funktionieren diese Dinge nicht gleich am ersten Tag. Vieles davon hat damit zu tun, sich selbst auszuprobieren und aus seinen Fehlern konstruktive Erfahrungen zu weben.

Vertraut mir: Der Con- und Messezirkus ist wie eine herzlich kauzige Familie und hat großes Spaßpotential. Ihr braucht bloß den Mut, es zu entdecken.

Vielleicht treffen wir uns dabei ja mal.

Und jetzt …

Let’s read!

Tom Daut

 

Toms Facebookseite: https://www.facebook.com/tom.daut.3

Toms Geziwtscher: https://twitter.com/TomDaut

Tom auf Lovelybooks: https://www.lovelybooks.de/autor/Tom-Daut/

 

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